Urlaub auf den Kanaren
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Teneriffa - Mähen wie in alten Zeiten in Icod el Alto
Los Realejos - Teneriffa - In Icod el Alto, einem Ortsteil von Los Realejos , fand am Sonntag das zweite traditionelle Mähfest statt. Bauern von allen sieben Inseln demonstrierten, wie dem reifen Getreide in alten Zeiten nur mit einer Sichel oder Sense zu Leibe gerückt wurde.
Dabei hatte jeder seine spezielle Art. Nicht nur zwischen den Inseln gibt es Unterschiede, sondern sogar auf Teneriffa bediente man sich je nach Region verschiedener Techniken. In La Laguna und Umgebung schnitt man eher mit einer Art kanarischer Sense, mit langem Stil. Dabei entstanden lange Reihen gemähten Getreides, die man anschließend bündelte.
In der Region von La Orotava bis nach Buenavista oder auch im Süden Teneriffas nutzte man eher kurze halbmondförmige Handsicheln. Die Mäher schnitten, so viel, wie sie im Arm halten konnten, banden dieses dann mit Stroh zusammen und stellten es bis zum Abtransport auf. Eine weitere Besonderheit ist die Technik in La Orotava. Dort rupft man das Getreide nämlich mitsamt den Wurzeln aus der Erde. Köpfte die Ähren, um die Körner für die Gofio- und Mehlbereitung zu gewinnen und bündelte die verbliebenen Halme und Wurzelballen, um damit die im Orotavatal typischen Strohdächer der einfachen Hütten, den Pajares, zu decken.
Diese Einraumunterkünfte waren bis etwa Mitte der 50er Jahre typische Bauernhäuser, in denen sich das einfache Leben der Landbevölkerung auf engem Raum abspielte. Beispiele dafür sind heute noch in dem nostalgischen Museumsdorf in Pinolere zu bewundern. Meist arbeiteten Männer und Frauen gemeinsam auf den Feldern. Dabei kümmerten sich die Bäuerinnen auch um das Bündeln der Strohballen und oftmals balancierten sie es auf ihren Köpfen aufrecht gehend nach Hause. Icod El Alto war der perfekte Ort, um diese Traditionen wieder aufleben zu lassen, denn früher nannte man den Ort sogar Icod del Trillo (Ort des Getreides), weil hier in den Bergen die einstige Kornkammer der Insel anzutreffen war.
Die verwendeten Getreidesorten wurden vor allem nach der Eroberung eingeführt. Viele dieser alten Getreidesorten werden auch heute noch ausgesät. Allerdings war das geröstete Mais- und/oder Weizenmehl, der Gofio, schon bei den Guanchen ein Grundnahrungsmittel. Selbst dessen Zubereitung konnte man während des Festes bewundern. Mit einfachsten Mitteln behalfen sich die Menschen. So wurde das Getreide in einer flachen Tonschüssel, die über einem glimmenden Strohfeuer stand, geröstet und danach mit Hilfe eines flachen Steines, der als Scheibe gedreht wurde, zermahlen. Das fertige Gofio wird mit Wasser, Gewürzen, manchmal auch Nüssen und Trockenfrüchten zu einer festen Masse verknetet, von der man dann Stücke abschneidet.
Ohne Backen entstand so ein erstes wichtiges Grundnahrungsmittel, das auch die Hirten als Wegzehrung immer in ihren Taschen bei sich hatten und das später in den Zeiten, in denen auf den Kanaren Armut herrschte die Menschen vor dem schlimmsten Hunger bewahrte. Gofio, das geröstete Getreidemehl, ist nur auf den Kanarischen Inseln bekannt und somit eine ur-typische Geschmackserfahrung, die man ruhig einmal wagen sollte.
Es schmeckt nämlich wirklich gut. Zur Veranstaltung war eine beträchtliche Zuschauermenge sowie lokales Fernsehen gekommen, die die Mäher mit ihrem Applaus anspornten. Erfreulich war, dass es auch einige junge Menschen gibt, die noch die Geschicklichkeit früherer Zeiten bewiesen. Der jüngste Mäher war immerhin erst neun Jahre alt. Heute hat auch auf Teneriffa die Technik Einzug gehalten und die mühevolle Arbeit wird mit Hilfe von Maschinen leichter.
Gerade deshalb ist es wichtig, die Traditionen des bäuerlichen Lebens, die Teil der Geschichte Teneriffas sind, am Leben zu erhalten. Sie sind ein nostalgisches und ethnographisches Erbe, das man auch weiterhin schätzen sollte. |
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