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Chinamada - Das Höhlendorf PDF Drucken E-Mail

 

Chinamada - Das Höhlendorf


Teneriffa - In Chinamada leben die Menschen nicht nur auf und mit dem Berg, sondern im wahrsten Sinne des Wortes im Berg. Gäbe es auf der Insel Füchse, würden sie hier bestimmt den Hasen „Gute Nacht“ sagen. In der totalen Abgeschiedenheit des Anagagebirges befindet sich eine absolute Rarität der Insel.


Fotos von Chinamada finden Sie hier in der Fotogalerie 


Die rund 15 Bewohner leben tatsächlich in ausgebauten Berghöhlen. Nicht, dass sie noch, wie einst die Guanchen, in primitiven Höhlen hausen, sondern man kann die Wohnungen eher als reizende kleine Häuschen bezeichnen, die in den „Bauch des Berges“ gerutscht sind. Von außen sieht man zunächst nette, farbig gestrichene  Fassaden mit Fenstern und Türen, einem Stuhl im Vorgärtchen und bunten Geranientöpfen.


Nichts Besonderes also, sondern ganz normaler kanarischer Liebreiz. Aber, wo ist denn nun das Haus dazu? Die Wohnräume liegen tatsächlich im Berg und wurden einst von der Generation der Väter und Großväter in mühevoller Handarbeit aus dem Stein geschlagen. Vor den rauen Witterungsbedingungen, Sturm, Regen und Wind, suchten die Menschen im Berginneren Zuflucht und fanden sie dort auch.

 

Chinamada - Erst mit dem zweiten Blick erkennt man das Haus

 

 Auf die Frage, wie sich das denn anfühlt, wenn man morgens beim Aufwachen an die Decke schaut und weiß, dass man direkt unter einem Berg schläft, antwortet eine der wenigen verbliebenen Einwohnerinnen „Gut, mir kann hier überhaupt nichts passieren. Egal ob es stürmt, regnet oder ein Unwetter vorbei zieht, bei uns fliegt nichts weg, geht nichts zu Bruch, wir sind vor allem geschützt“. Die Menschen sind ein raues Leben gewohnt.

 

Der karge Boden wirft nicht viel Ernte ab, obwohl sich die Menschen früher nur von der Land- und Ziegenwirtschaft ernähren mussten. Das Gelände ist abschüssig und oft sind Seilwinden angebracht, um die Ernte überhaupt vom Feld ins Dorf zu bringen. Maschinen können nichts ausrichten. Hier zählt nur die eigene Muskelkraft und vielleicht die Hilfe eines Esels.

 

Die Strasse nach Chinamada wurde erst Anfang der 90er Jahre überhaupt asphaltiert. Davor war es lediglich ein rund zwei Kilometer langer sandiger Fußpfad, der von Las Carboneras in den letzten bewohnten Bergort auf rund 500 Metern über dem Meeresspiegel führte. Seit etwa fünf Jahren gibt es eine Stromversorgung.  Davor nutzten die Menschen Solarzellen zur Stromerzeugung. Nur noch wenige Menschen leben in dieser einfachen Bergwelt und manche fahren täglich bis in den Süden zu ihren Arbeitsplätzen.

 

Die meisten haben der Einsamkeit den Rücken gekehrt. Sie nutzen die Häuser nur noch als Ferien- und Wochenenddomizil. Dann kehrt in dem idyllischen Dorf auch wieder mehr Leben ein und am dritten Sonntag im August, zur Ehren des San Ramón, wird sogar eine lustige Romería gefeiert. Dann geht es an dem sonst so beschaulichen Fleckchen Erde richtig rund.

 

Chinamada - Überwältigende Natur pur

 

Der Panoramablick, der sich dem Auge bietet ist einmalig. Wild zerklüftete Felswände, dichte Kaktusfeigenhecken und eine freie Sicht auf die Küste der Punta de Hidalgo lassen die Seele zur Ruhe kommen und die Gedanken schweifen. Über einen schmalen Wanderpfad kann man bis hinunter nach Punta de Hidalgo laufen.

 

Rund 90 Minuten dauert der Abstieg. Wer lieber mit dem Auto unterwegs ist, fährt in La Laguna auf der TF 13 Richtung Mercedeswald und von dort weiter ins Anagagebirge hinauf. Vor Taborna biegt man links auf die TF 145 nach Las Carboneras ab. Der Blick schweift über eine bizarre, aber wunderschöne Berglandschaft in der der Taborno mit seinen 1.024 Metern die höchste Erhebung ist.

 

Nach Las Carboneras kommt man auf einer engen gewundenen Strasse nach Chinamada .  Auf einem Parkplatz stellt man das Auto ab und erkundet am besten zu Fuß diesen außergewöhnlichen Ort, der so besonders ist. Manchmal fragt man sich an dieser Stelle zu Recht, ob man nicht gerade jemandem auf dem Kopf herumtanzt? Wer möchte kann auch rechts um den Bergrücken herum, bis zu einem Mirador (Aussichtspunkt), laufen und den grandiosen Ausblick genießen.

 

Mit Sicherheit ist Chinamada ein Ort, an den man sich mit ungläubigem Kopfschütteln erinnert und der dennoch durch seine Schlichtheit und den Charme einfachen Lebens einen besonderen Eindruck hinterlässt. 

 

Fotos Chinamada finden Sie hier in der Fotogalerie 

 

 
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