Teneriffa - Historischer Spaziergang durch La Laguna
La Laguna -San Cristobal de La Laguna ist vor acht Jahren zum
Weltkulturerbe erklärt worden. Die vielen historischen Bauten der Stadt und die
lebendige Geschichte haben diese Einstufung begünstigt. Grund genug, dieses
wichtige Ereignis gebührend zu feiern.
La Laguna tut auch dies auf eine
besondere Art, mit historischen Spaziergängen, geführt von einem Piraten, dem
italienischen Stadtplaner oder in Begleitung der zweier Stadtführerinnen, die
in der Robe des 18. Jahrhunderts durch
die Strassen wandeln. Die Adelsdame Maria de las Angustias, ledige Nichte des
Capitáns, und ihre quirlige Dienerin Juanita nehmen die Besucher auf einen
Spaziergang durch die Strassen der Stadt mit und vermitteln, in Form einer
Unterhaltung, ganz nebenbei historisches
Wissen..
Dabei sprühen sie vor Witz und Esprit, wenn sie so tun, als sei die
Plaza ein wichtiger Ort, an dem im wahrsten Sinn des Wortes, zuweilen Köpfe
rollen. Der Besucher erfährt, dass die Casa Alhóndigas der ehemalige
Getreidespeicher der Stadt war Eine abgefangene Nachricht aus dem Palacio Nava
Grimón betont den intellektuellen Einfluss, den diese, aus Flandern stammende, Familie
in der Stadt hatte. „Seltsame“ Bücher würden dort gelesen, wissen sie zu
berichten.
Ein Briefwechsel mit dem Briten Johnson, der ebenso wie Alexander
von Humboldt, in La Laguna zu Gast war, um Forschungen und Messungen in der
üppigen Natur Teneriffas anzustellen, belegt den wichtigen Einfluss der Familie
durch ihre Kontakte zu gelehrten Persönlichkeiten aus ganz Europa.
An der Casa
Mesa unterhalten sie sich über den neuartigen Baustil, den diese Familie, mit
den quadratischen und in geraden Linien verteilten Fenstern eingeführt hat. Außerdem
soll das Haus das erste Flachdach gehabt haben, was die beiden
Spaziergängerinnen zu leichten Sticheleien über die Bauherren animierte, die
wohl nicht genügend Geld für ein „richtiges“ Dach hätten. Gleichzeitig jammern
sie darüber, dass mit dem Vulkanausbruch des Chinyero und der Zerstörung
Garachicos die Männer in Scharen in die neue Welt aufbrächen, um ihr Glück zu
versuchen und sie als Jungfern zurückblieben, ohne die Aussicht doch noch ein
„Prachtexemplar“ abzubekommen.
Ein Jammer sei das! Immer wieder warnen sie die
Besuchergruppe vor vorbeirasenden Pferden oder Pferdekutschen (alias Autos) und
vermeintlichen auf der Strasse liegenden Pferdeäpfeln. Vor der Casa Riquel
diskutieren sie über die vielen Kaufleute, die sich aus Großbritannien,
Italien, Frankreich und Flandern auf der Insel niedergelassen hätten und so
viele neue Sprachen, aber auch wirtschaftlichen Wohlstand mitgebracht hätten.
Für
die Krise im Weinanbau machen sie die Engländer verantwortlich, die immer mehr
versuchten die Preise zu drücken. Zum Protest hätten die Winzer des Orotavatals
ihre Ernte in den Barranco geschüttet, tratschen die beiden Frauen munter vor
sich hin. Außerdem sei mit den Ausländern ein wichtiger ökonomischer und
moderner Impuls auf die Insel gekommen, aber mit ihnen seien auch Krankheiten
und Epidemien eingeführt worden.
Der Spaziergang durch die Stadt in Form einer
witzigen, amüsanten und manchmal etwas bissigen Unterhaltung weicht von den
üblichen Stadtführungen ab. Den Besuchern bereitete er allerdings ein
unterhaltsames Vergnügen.
Deutsche „normale“ Führungen werden von Montag bis Freitag
um 11.30 Uhr angeboten, Spanische um 10.30 Uhr, 12 und 16 Uhr. Englisch und
Französisch auf Anfrage. Bei Gruppen sind jederzeit Sonderabsprachen möglich.
Um Voranmeldung wird bei allen Führungen gebeten.
Das Tourismusbüro befindet
sich in der Casa Alvarado Bracamonte in der Calle La Carrera und ist unter der
Telefonnummer 922 63 11 94, täglich von 9 bis 17 Uhr, zu erreichen.