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Teneriffa - Lambert van Bommel im Gespräch PDF Drucken E-Mail

 

 

Ausstellung im Castillo de San Felipe

in Puerto de la Cruz

 

 

 

 

„Recien pintado“ von Lambert van Bommel 

 

Teneriffa - Die Bilder von Lambert van Bommel sind gezeichnet von seinem Gespür für die ihn umgebende Landschaft und deren Bewohner. Mit dem Auge des Künstlers durchstreift er die Insel und findet immer wieder Motive, die in ihm den Malzwang wecken. Seine Aquarelle spiegeln die Realität wieder.

 

Er hält nichts von Schönfärberei, obwohl er viele idyllische Momentaufnahmen auf seiner Leinwand festgehalten hat, sondern malt das was er sieht, ohne Wertung. Der gebürtige Niederländer, der viele Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet hat, liebt diese Insel mit all ihren Sonnen- und auch Schattenseiten. Genau das verleiht seinen Bildern den besonderen Charme. Er malt ausschließlich mit den Farben Rot, Gelb, Blau, Schwarz und deren Mischungen.  

 

Sein langjähriges Schaffen wurde unter anderem mit dem holländischen Nationalpreis belohnt. Zahlreiche Ausstellungen in den Niederlanden, Deutschland, Österreich, Finnland, Belgien und auf Teneriffa zeugen von seinem unermüdlichen Tatendrang. 

 

TEX.: Lambert, wie sehen Sie die Insel und wo finden Sie Ihre Motive?

 

 LvB,: Ich habe mich in diese Insel verliebt, sonst hätte ich nicht vor Jahren entschieden hierher zu ziehen. Wenn ich durch die Gegend fahre, finde ich eigentlich immer Motive, die mich reizen oder bewegen. Meistens komme ich mit Staffelei und Pinsel bewaffnet an den Ort zurück, um ihn dann auf die Leinwand zu bannen. Nur selten male ich von Fotos. Ich bevorzuge es in der freien Natur, direkt vor meinem Motiv zu stehen. Um ein gutes Bild zu malen, muss man die Emotion der Landschaft und des Moments auffangen. Das kann man einfach nur vor Ort. Natürlich ist das manchmal anstrengender, als im Atelier, wo weder Wind noch Wetter eine Rolle spielen, aber nur dann kann man, meiner Meinung nach, die Stimmung wirklich einfangen und festhalten.

 

TEX.: Auf Ihren Bildern sieht man nicht nur die Sonnenseiten der Insel, sondern auch Reifenberge mitten in der Landschaft, angeschwemmtes Treibgut am Strand, rostige Autowracks, unmögliche Reihenhaussiedlungen und kuriosesten Unrat. Wollen Sie damit Kritik üben und wer um Himmels willen kauft so etwas?

 

LvB.: Es ist eigenartig, aber gerade solche Bilder sind meist sogar zuerst verkauft. Viele Canarios gehören zu meinen Kunden. Ich denke, sie empfinden ähnlich wie ich. Ich male etwas, das meine Aufmerksamkeit erregt und das ist eben manchmal auch etwas, was manche als Umweltverschmutzung sehen. Ich möchte aber keine Wertung vornehmen. Ich male, was ich sehe. Vieles ist eben einfach auch so bizarr, dass es schon wieder lustig ist. Zum Beispiel, zwei abgestellte Fitnessgeräte mitten in der Landschaft oder ein Kreisverkehr mit nur einer Strasse. Ich erhebe nicht den Zeigefinger, um zu sagen, das tut man nicht, sondern es ist eben einfach ein Phänomen, das hier zum Leben gehört.

 

Ebenso, wie ich eine Reihenhaussiedlung gemalt habe, wie es hier ja hundert Andere auch gibt. Für mich sind das einfach Phänomene der Zeit und Schönheit ist auch nur ein relativer Begriff, den jeder subjektiv definiert. Die alten Häuser mit ihren lauschigen Innenhöfen, in denen sich das Leben abgespielt hat, weichen modernen Wohnsilos. Der Kapitalismus hat eben auch die Kanaren erreicht – mit allen seinen Konsequenzen und vielleicht ging die Entwicklung auf den Kanaren einfach ein bisschen zu schnell. Man sieht viel zu viele Kinder, die zu dick sind, die Autos werden immer größer und eben auch die Behausungen immer moderner.

 

Das Leben ist schnelllebiger geworden und vielleicht haben die Menschen nicht mehr das Bedürfnis nach Patios, weil sie sowieso keine Zeit haben, dort zu sitzen oder sich lieber vor der Haustür ausleben, als sich in das traute Heim zurückzuziehen. Selbst da regiert mittlerweile auch hier „King Fernsehen“. Das Leben hat sich einfach verändert. Meine Bilder erzählen das einfach, ohne Wertung oder Kritik. Ich finde es nur wirklich schade, wenn so nette kleine Orte, wie Punto Puertito einfach verschwinden. Jahrzehntelang lebten  die Menschen in  einfachen Häusern, strichen es irgendwann im Jahr frisch an, hatten mit Sicherheit nicht das, was man modernen Wohnkomfort nennt, aber sie waren glücklich.

 

Letztes Jahr wurde dort zum Beispiel alles „platt“ gemacht und das finde ich wirklich schade. Denn gerade diese ganz einfachen, stillen Fleckchen verleihen der Insel so viel Charme und südländischen Flair. Man kann sie vielleicht nicht als schön, im herkömmlichen Sinn bezeichnen, aber trotzdem haben sie etwas, das man beim Menschen als „Schönheit, die von innen kommt“, bezeichnen würde.  Das gibt es bei Landschaften, halb verfallenen Hütten oder verrosteten Vehikeln, die irgendwo vor sich hinrosten eben auch. Ich persönlich finde, dass es diese besondere Form des Liebreizes, etwas Typisches und Liebenswertes hat.

 

TEX.; Wie kommen ihre kanarischen Bilder bei ihren Ausstellungen in Deutschland an?

 

 LvB.: Sehr gut, obwohl einige bedauern, dass ich keine bayrischen Schneelandschaften mehr male, wie früher, als ich dort gewohnt habe. Aber jetzt wohne ich eben hier und male, was mich hier umgib. Eine Ausstellung in Augsburg, im Jahr 2002, hat sogar Inselpräsident Ricardo Melchior eröffnet. Ich hatte mit ihm in einer anderen Angelegenheit zu tun und schlug ihm spontan vor, meine Galerie gemeinsam mit dem bayrischen Ministerpräsidenten zu eröffnen.

 

Er hatte zufällig zu der Zeit sowieso einen Termin in München. Am Tag der Ausstellung wusste ich immer noch nicht, ob er kommen würde, man hatte es mir eher vage in Aussicht gestellt. Während der ersten Rede entdeckte ich ihn dann inmitten der Gäste und winkte ihn natürlich auf das Podium. Es ist ja ideal, dass der kanarische Präsident Deutsch spricht und sozusagen eine bayrisch-kanarische Präsidentenansprache stattfand. Meine Bekannten in Deutschland haben zwar den Kopf geschüttelt, denn mit vagen Zusagen kann man dort nicht so viel anfangen. Aber hier lernt man, das Leben etwas gelassener zu sehen und siehe da, es funktioniert offenbar genauso gut.

 

TEX.: Was sind Ihre nächsten Pläne und Projekte?

 

 LvB.: Vor der kommenden Ausstellung hatte ich im April eine im Augsburger Stadttheater, zu der ich alles zum Thema Wein gemalt habe. Alte Weinkeltereien, Fässer, Trauben, Weinberge oder einfach einen Tisch mit Glas und Weinflasche. Zu einem Thema zu malen, ist interessant, aber man durchstreift die Gegend auch mit einer Art Suchlinse, die das Blickfeld vorübergehend einschränkt. Das habe ich in nächster Zeit nicht mehr vor. Zunächst denke ich nur an die Galerie. Aber ich gebe auch Malunterricht in kleinen Gruppen. Vielleicht male ich im Winter doch mal wieder ein paar Schneebilder in Bayern.

 

Wenn ich keine Ausstellung habe, sind ein Teil meiner Bilder immer in der Galerie Arte Drago in La Orotava ausgestellt. Außerdem plane ich ein zweisprachiges deutsch-kanarisches Buch mit Beispielen meiner Bilder. Dazu suche ich allerdings noch ein paar Kunstliebhaber, die das Projekt mit 2.000-Euro-Anteilen mit vorfinanzieren. Rund fünf Zusagen habe ich bereits, weitere fünf bräuchte ich noch. Ich habe das schon einmal in Deutschland gemacht und das hat gut funktioniert. Die Auflage von 2.000 Büchern war im Nu vergriffen und die Investoren hatten ihren Einsatz wieder zurück. Das würde ich nun gerne „kanarisch“ wiederholen.

 

TEX.: Wir wünschen Ihnen für die Ausstellung und Ihr Projekt viel Erfolg und danken Ihnen für das Gespräch.

 

(Interview erschienen bei Teneriffa Express)

 

 

 

Lambert an Bommel – Kurzbiographie

 

Geboren:          1945 in Monster in den Niederlanden

 

Ausbildung:      Zunächst klassische Ausbildung zum Porzellanmaler in Delft

1962 bis 1967  Studium an der Königlichen Akademie für Bildende Künste in Den Haag, Abschluss mit Summa cum laude

 

Werdegang:     1972 bis 2000 freier Maler in Augsburg

Seit 2001 freier Maler auf Teneriffa

 

Erfolge:            1969 Auszeichnung: Jacob-Maris-Preis, Niederl. Staatspreis

1997 Veröffentlichung Ländliches Schwaben
1999 Bildband Ansichten

Technik:           Aquarellmalerei auf Basis der Farben Magenta, Reingelb, Cöelinblau und Elfenbeinschwarz. Verwendete Pinsel kommen aus Tokio.

 

 

Zahlreiche Ausstellungen in Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande, Finnland

 

Bisherige Ausstellungen auf Teneriffa in Anepá, Casa del Vino, Casino de Tenerife, Casa de la Aduana, Castillo San Felipe    

           

Regelmäßige Kunstkurse  in Deutschland und auf Teneriffa

 

 
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