Urlaub auf den Kanaren
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| Wanderung Teno Alto - Ethnologische Tour |
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Ethnologische Wanderung in Teno Alto auf Teneriffa
Rund anderthalb Stunden dauerte der Abstieg. Für den Transport von Lasten war dieser schmale Steig jedoch nicht geeignet. Die Erzeugnisse der Bauern wurden mit Eseln und Maultieren über einen breiteren aber weiteren Pfad über El Palmar transportiert. In medizinischen Notfällen eilten Boten, in Etappen wie bei einem Stapellauf ins Tal, um die rettende Spritze oder Arznei, auf dem gleichen Wege, schnellstmöglich nach oben zu befördern.
So konnte eine Notversorgung stattfinden, bis der Arzt den leidenden Patienten erreichte. Kaum vorstellbar, dass dies erst rund 35 Jahre her sein soll. Noch heute ist das Leben der Bergbewohner von der Landwirtschaft bestimmt. Wanderer, die hier zahlreiche Wege in den verschiedensten Schwierigkeitsgraden vorfinden, sehen sich auf einer Hinweistafel darauf aufmerksam gemacht, dass man bei einer Begegnung mit einer Ziegenherde, doch bitte beiseite treten möge.
Auf dem Hochplateau leben derzeit nur noch 85 Menschen, wovon die meisten das Rentenalter bereits überschritten haben, und rund 1.000 Ziegen. Längst werden nicht mehr alle Felder bewirtschaftet, denn die junge Generation flieht vor dem harten Leben in der Bergwelt.
Die ethnologische Tour, die vom Büro zur Umwelterziehung „El Cardón“ in Buenavista del Norte angeboten wird, beginnt mit dem Beispiel einer Guanchenhöhle. Als die spanischen Eroberer Teneriffa erreichten, fanden einige Ureinwohner in den abgelegenen Höhlen der bizarren Felsen eine letzte Zuflucht. Hier konnten sie der Missionierung zunächst entgehen. Später zogen die Menschen auch hier von den Höhlen in Häuser um.
Bis in den 70er Jahren die Strasse gebaut wurde, wurden die Häuser einzig aus Steinen, Hölzern und Tierexkrementen der Umgebung gebaut. Es waren einfache Hütten mit meist einem großen Wohnraum und vielleicht einem Schlafzimmer, in dem die ganze Familie Platz fand. Die Höhlen dienten weiterhin als Stall für die Viehherden oder auch zur Lagerung der Ernte. Steinwälle, die man überall in der Landschaft sehen kann, dienten den Hirten als Schutz vor der rauen Witterung.
So herrlich das Hochplateau bei schönem Wetter ist, so ungemütlich erweist es sich, wenn es in dicke Nebelwolken gehüllt ist oder eisige Winde darüber hinwegfegen. An der Quelle, Fuente Torre, kann man ein weiteres Relikt aus vergangenen Zeiten bestaunen. Dort befinden sich die so genannten „Lavaderos“. Hier wurde das Trinkwasser geholt, das Vieh getränkt und die Frauen wuschen dort die Kleidung. Das kühle Wasser spendet auch heute noch dem müden Wanderer Erfrischung.
In Zeiten besonderer Trockenheit mussten sie häufig bis nach El Palmar, um dort die Wäsche zu waschen oder ein paar Kanister Wasser für die Familie zu besorgen. Noch heute verwenden viele alte Frauen, ihr Abwaschwasser in der Küche bis zu drei Mal. Zu tief steckt die Gewohnheit, die aus jenen kargen Zeiten stammt. El Roque de la Cruz ist ein Ort, der von den Bewohnern gemieden wird. In einer Höhle befinden sich zwei Sargähnliche Kisten, eine Größere und eine Kleinere, die bis 1972 dazu dienten, die Toten ins Tal zu tragen, um sie in geweihter Erde zu begraben.
Meist taten dies die Männer, die sich die Kisten auf die Schulter luden, während die Frauen zuhause Vieh und Kinder hüteten. Man kann sich vorstellen, welch schauriges Bild sich bot, wenn eine Gruppe schwarz gekleideter Männer mit einer Kiste auf den Schultern aus dem Nebel ins Tal zog. Auf der Insel sind noch weitere Exemplare, dieser Transportsärge, die auch in anderen abgelegenen Dörfern verwendet wurden, erhalten, aber nur in Teno Alto befinden sie sich noch in der gleichen Höhle, in der sie schon immer waren.
Viele Häuser verfügten über einen eigenen Dreschplatz, auf dem die Spreu vom Weizen getrennt wurde. Unweit des Dorfes ist ein alter Ziegelofen erhalten. Gruppen zeigt Don Pedro, wie man einst in mühevoller Handarbeit Ziegeln brannte. Drei Meister waren für die verschiedenen Arbeitsschritte zuständig. Der Erste mischte den gesiebten Lehmboden mit reichlich Wasser und stampfte die Masse barfuss kräftig durch. Eine gute Statur war dabei von Vorteil.
Der zweite Meister füllte den „Lehmteig“ in eine rechteckige Metallform und strich ihn mit einem einfachen Holz glatt. Mit einer geschickten Handbewegung schob man die Masse dann auf ein gewölbtes Holz, das der Ziegel die richtige Form gab und mit einem ebenso gekonnten Ruck wurde sie auf die Erde gesetzt. Dort mussten die Rohlinge rund zwei Tage lang in der Sonne trocknen, ehe sie dem dritten Meister zum Brennen übergeben wurden. Meist zwei Mann stellten sich in den rund zwei Meter tiefen Schacht über der Feuerstelle und schichten die Ziegel so eng, wie möglich vertikal aneinander.
Je enger, umso besser, denn die Arbeiter mussten auf die unteren Ziegel steigen, um die Nächsten zu stapeln. Sechs bis acht Stunden lang wurden sie dann gebrannt. Diese Arbeit wurde nachts geleistet und der brennende Ziegelofen wurde zum Familientreffpunkt. Bei einem Picknick und lustigen Spielen vertrieb man sich die Zeit. Rund sechs bis acht Stunden dauerte es bis die Ziegeln fertig waren und nach dem ersten Abkühlen wieder aus dem Ofen genommen wurden.
Die rund 2.500 Ziegeln, die man für ein normales Dach benötigte wurden in rund zwei Tagen angefertigt. Nur noch wenige beherrschen die Kunst, die der 80-jährige Don Pedro mit einer immer noch erstaunlichen Geschicklichkeit vorführt.
Die geführte Wanderung wird auf Wunsch auch auf Deutsch oder Englisch angeboten. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 922 12 79 38, per E-mail Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können oder im Büro, gleich gegenüber der Plaza in Buenavista del Norte möglich.
Es ist ein Ausflug in eine vergangene Zeit, die gerade dort, in der mal lieblichen und mal bizarren Bergwelt, vor dem geistigen Auge lebendig wird.
Hier haben wir für Sie Fotos vom Wanderweg Teno Alto zusammengestellt
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